Wie ich durch Schreiben heilte

    Erinnerungen an früher. Worte von damals.

    Selbstanalyse und therapeutische Poesie sind ja wie Tagebücher: Sie sollten geheim bleiben und irgendwo unter dem Bett oder zwischen den Söckchen verstauben. Nicht hier.

    Mal ernst, mal humoristisch, und dann wieder zum Weinen, werden alle schwierigen Themen wie Beziehungsstress, heimliche Lieben, Untreue, Probleme im Job, Kämpfe unter Kollegen, krankhafte Angst, lyrisch aufgearbeitet.

    Die studierte Literaturwissenschaftlerin nennt ihre Gedichte ANGSTpoesie bzw. Poesie-Denken. Sie verpackt ihre lyrische Selbstanalyse in eine teils aggressive und zugleich liebliche Form, in der sie mit Reimen, Umbrüchen und wilden Metaphern an sich herumdoktort und so mancherorts alle stilistischen Mittel bis zum Erbrechen ausreizt: Das ist Angst, wie sie lebt.

    Das Spüren und Verarbeiten von Angst und Panik bis hin zum bloßen Sinnieren über den Sinn des Lebens in übertriebenem Zwang samt Vermeidungsverhalten und steter Furcht, Unschuldserklärungen und Schuldzuweisungen. Der Rest schwappt über die Verse hinauf auf den Bildschirm mitten ins Mark.

    Eine wundersame und zugleich realistische Sammlung von selbstanalytischen Gedanken einer ganz normalen, jungen Frau, der man alles andichten würde, aber keine Angst.

    ANGST | POESIE Denken

    Who’s afraid…?

    Ich weiß Angst ist Stress Stress ist wie das Ei Das Huhn ist Angst Es brütet und wütet In mir Schleicht sich an Zieht meinen sonst so gelassenen Körper in einen Bann Dem ich nur noch sehr selten entkommen kann. Ich weiß: Angst ist Stress. Wenn man lange Strecken geht...

    So bin ich nicht

    ich bin so jung du bist es nicht du bist so hart ich bin das nicht das harte, wirklich, steht mir nicht drum bin ich leise du bist es nicht du bist nur laut ich nur wenn es sticht. wir waren eins und eins gleich null nichts im himmel nichts im feuer jeder ein eigenes...

    Mir blieb nur der Fernsehturm

    Ich trug dich immer noch bei mir Als ich gestern Abend den Bahnhof verließ Es war als wärst du direkt neben mir Noch immer hier / In mir Dank Gott erstach der Fernsehturm den Blick Auf Fahrräder und Baugerüste Doch inmitten aller Geister dieser Stadt Bliebst du bei...

    3 Tage im Aufbruch

    Statt alles aufzuschreiben Lenke ich mich ab Von mir mit dir Mit Musik über schwarze Katzen Rhythmus und dieses Kratzen Aus Kindertagen bin ich Lange rausgewachsen und nun Laufe, sitze, liege ich und Alles dreht sich schlagend um mich. Gestern wollte ich Ruhe leben...

    Lexikon Leben

    Wie viele uns täglich erklären Wie wir das Leben leben lernen: Zehn Wege um die große Liebe zu finden Neun um das große Geld an uns zu binden Acht um mehr Zeit für sich zu schinden Sieben für Glück und Zufriedenheit Sechs gegen Eifersucht und Neid Fünf für mehr Freude...

    Eine Seele wie ein Ozean

    Ballerina wollte ich werden Mich wie Musik durch die Menge Bewegen Wie Wellen Mich dem Takt Des tanzenden Ozeans Ergeben Und gebären. Schreiben wollte ich Zwischen Stille und neugierigen Augen An den dunklen Stränden Irlands Auf wärmende Eingebungen des Leuchtturms...

    Daddy

    Du treuer Geist, mein Lieblingsteufel Du machst nichts, du machst nichts Du bebst in den Gedanken unserer Schwere Zwischen Schmerz und all den Stimmen Opas, Ersatze, Mamas Alle schwatzten Blut Ich suchte eine wahre Form Bellas Wiegenlied spielt Konjunktive...

    An bestimmten Wochentagen

    Man soll ja beschließen Glücklich zu sein Also beschließe ich Glück und Sein Ich entwerfe den großen Plan Ich werfe alles, was du getan Hast in den Mülleimer hinaus Verstecke die Katze vor der Maus Kleide mich in den einen Gedanken Dass sich mein Glück und mein Sein...

    Von Masken, Mauern und Müttern

    Jetzt warte ich darauf Dass die Angst vergeht Deine Angst – schau mal, wie sie schwelt Sie bewegt sich zwischen uns Hin und Her und mehr und mehr Vergesse ich die beiden Jahre In denen meine Angst voll Verwunderung und Groll Mauern erhob und ein Spinnennetz wob Aus...