Ich weiß

    Angst ist Stress
    Stress ist wie das Ei
    Das Huhn ist Angst
    Es brütet und wütet
    In mir
    Schleicht sich an
    Zieht meinen sonst so gelassenen Körper in einen Bann
    Dem ich nur noch sehr selten entkommen kann.

    Ich weiß: Angst ist Stress.
    Wenn man lange Strecken geht
    Wenn man normale Menschen sieht
    Wenn sie zu laut sind oder zu gesprächig
    Wenn plötzlich die eigenen Füße schläfrig
    Werden inmitten der Stadt auf der Straße
    Plötzlich meine Knie sich anfühlen als schlafe
    Mein Blut und meine Muskeln wie ein Blitz ein
    Und in meinem Kopf nur der eine Satz der noch rattert:
    Das darf jetzt nicht sein!

    Nicht jetzt!
    Bleib ruhig!
    Es ist doch alles okay.
    Hier ist es doch sicher,
    Und niemand tut dir weh!
    Plötzlich wird alles ganz weit
    Die Straße trägt Lärm und Angst als ihr Kleid
    Dieser Trubel und die Hektik
    Man sollte meinen: Sie weckt dich.
    Doch mich scheint sie zu erdrücken
    Meinen Kopf und meinen Hals zu zerreißen in Stücken.

    Dabei weiß ich: Es ist alles okay und wirklich niemand
    Tut mir hier weh.
    Ich kann nur noch denken: Mach schneller, geh schneller.
    Doch die Angst wird wie die Lautstärke und das Licht nur noch heller,
    Und brennt sich in meinen Körper,
    In meine Brust und mein Hirn und all meine Wörter:
    Bleib ruhig! Und atme!
    Tun nichts besser zu dem Missstand
    Auf den ich unruhig warte.
    Ich will nur noch weg, weg von all dem im Hier
    Ich will nur noch weg, will wieder zu mir.

    Ich schaffe es jedes Mal.
    Das ist merk-würdig! Und sonderbar.
    Dass ich nicht in Ohnmacht falle
    Dass ich nicht vor allen durchknalle
    Sie anbrülle oder schreie
    Sie mögen mich bitte als freie
    Erwachsene Frau ansehen
    Und mir nicht länger im Wege stehen
    Mit ihren aufdringlichen, fordernden Belangen
    Mich kleinhalten und stilllegen während sie versuchen mich einzufangen
    Und gefügig zu machen in ihrem steten Arbeiten und Reden
    Anstatt mich mal wie ich bin zu sehen.

    Mein Fehler dabei
    Ist leicht erklärt:
    Ich lass es zu und
    Das ist mein Schwert.
    Die liebliche Weise sagt unaufhaltbar: „Ruh‘!
    Mach, was du brauchst, nur sei endlich du!“
    So wirbele ich in all ihrem Wollen
    Und hoffe, sie erkennen alsbald mal ihr Sollen
    Ohne dass ich eingreife und sie dazu zwinge
    Durch viel Wut und Ohnmacht aus Angst sie dazu bringe
    Sich selbst zu erkennen und was sie hier eigentlich tun
    Jedes einzelne Mal mit mir ihre Unruhen
    Besprechen und nach Aufmerksamkeit ringen
    Ohne dass sie bemerken, wie wenig sie springen
    Wenn ich mich beklage an seltenem Tage
    Mich traue und endlich bei ihnen wage
    Alles rauszulassen, was so wenig gilt
    Nur weil ich mich selbst verwechsele
    Mit einem Schwamm Nichts in einem Meer voll von Hetze.

    Das Schlimmste an allem ist leider nur leise
    Wie ähnlich ich es tat bei einem, der weise
    Mir immer zuhörte und machte und tat
    Ganz gleich, ob ich ihn bat um Hilfe, Rat,
    Oder nur um seine Zeit und Lachen
    Um mal jemandes Stimme zu haben, dessen
    Sachen immer ziemlich positiv erscheinen
    Weil seine Augen wohl jedes Dunkel durchscheinen
    Jedenfalls tat er immer so vor mir
    Obwohl ich innerlich weiß, dass er bei dir
    Wahrscheinlich ganz das Gegenteil wäre und
    Ich oft genug hörte, wie sehr auch er sich quälte
    Damit immer da zu sein und es allen rechtzumachen
    Aus der vereinten Angst, irgendwer Dummes könnte lauter lachen.

    Die liebliche Weise verriet mir heute:
    Wenn deine Stärken die Schwächen anderer ausgleichen
    So wirst du bei demjenigen nichts erreichen
    Noch helfen oder ändern oder vermindern
    Das Kreuz, was du trägst, in all deinem Lindern
    Der Schwächen anderer, nur eben nicht die deinen
    Bis zu dem Tage, an dem sich eure Schwächen vereinen
    Weil deine Stärken sich brechen ließen
    Und unter denen anderer begannen zu zerfließen
    Weit weg von dir
    Weit
    Weg
    Von
    Dir.